Warum dieses Durcheinander und nicht nur ein Genre? Warum schreibe ich Krimis, Fantasyromane, historische Romane und noch vieles mehr?
Weil ich solche Romane lese!
Ich gehöre zu den Menschen, die immer mit dem Lesen mehrerer Bücher beschäftigt sind. Je nach Stimmung ziehe ich mir einen australischen Krimi von Arthur Upfield aus dem Regal oder einen Terry Pratchett oder einen der Romane des viktorianischen Erfolgsschriftstellers Anthony Trollope.
Man kann mich auch beim Lesen eines Romans von Arno Schmidt erwischen, oder wie ich laut lache, weil ich auf dem Weg zur Arbeit "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers als Hörbuch höre. Und wenn in der Mittagspause einfach mal der Kopf frei gemacht werden muss, dann lese ich auf meinem iPod touch das neueste Perry Rhodan-Heft.
Weil ich das Gefühl haben will: Mensch, da wäre ich jetzt gerne dabei!
Romane beurteile ich danach, ob sie mir eine Welt bieten, in der ich auch gerne mal eine Zeitlang leben würde.
Wenn Bony als einfacher Wanderarbeiter auf einer Farm im australischen Busch anheuert, um einen Mordfall aufzuklären. Wenn der Bibliothekar durch die Unsichtbare Universität tobt. Wenn der gewiefte Hochstapler Melmotte die Anleger um den Finger wickelt, bis sie ihn für den reichsten Mann Englands halten. Da wäre ich gerne mal dabei.
Manche nennen das Realitätsflucht. Ich behaupte, es ist eine Erweiterung der Realität.
Mehr Möglichkeiten, mehr Erfahrungen, mehr Leben.
Deshalb liest man doch! Okay, ich korrigiere mich: Deshalb lese ich! Man soll ja immer bei sich bleiben.
Ich weiß ja nicht, warum ihr lest. Vielleicht um euch hautnah all das Elend dieser Welt schildern zu lassen, oder um die Gedankengänge eines psychotischen Massenmörders zu ergründen. Aber solche Bücher lese ich nicht. Solche Bücher schreibe ich also auch nicht.
Damit wir uns nicht missverstehen: Ich sehne mich nicht nach einer bonbonfarbenen Idealwelt wie aus der Fernsehwerbung. Jede Realität ist nur dann glaubwürdig, wenn es in ihr schmutzigen Ecken, fiesen Charaktere und peinlichen Situationen gibt. Aber keine Welt besteht nur aus Schmutz und Verbrechen und Elend.
Deshalb gilt für mich:
Ich schreibe Bücher aus demselben Grund, aus dem ich Bücher lese. Um mir eine neue Welt zu eröffnen, in der ich in Gedanken eine Zeitlang leben möchte.